Freizeitattraktionen entwickeln – Lücken sehen und nutzen
Attraktionen für Family-Entertainment zu entwickeln, heißt Lücken sehen.
Wie aus der Analyse einer Achterbahn eine neue Produktkategorie für Kinder entstand – und was das für die Planung von Freizeitattraktionen bedeutet.
Ideen entstehen oft nicht am Schreibtisch. Sie entstehen aus der täglichen Arbeit, dem Blick auf das was nicht geht – oder schlichtweg fehlt.
1. Silver Star – 2002 Europas höchste Achterbahn
Der Silver Star war 2002 die neue große Achterbahn im Europa-Park. Schnell, spektakulär, für Erwachsene und Jugendliche. Ein klares Highlight. Ein Statement.
Ein Projekt bauen heißt aber auch, es über die Eröffnung hinaus zu analysieren. Ausgangspunkt der Analyse: Was leistete die Attraktion – und was leistete sie nicht? Letztere Frage als Chance. Denn wenn etwas fehlt, kann dafür ein neues Produkt entwickelt werden. Im konkreten Fall stellte sich die Frage: Wer wollte mitfahren und durfte es nicht? Wer stand am Rand und schaute mit Sehnsucht zu?
Kinder. Sie waren körperlich zu klein für diese Bahn. Aber nicht zu klein für den Wunsch. Wer einmal beobachtet hat wie ein Kind von vier oder fünf Jahren mit leuchtenden Augen auf etwas schaut das es noch nicht haben darf, versteht es sofort: hier war eine Zielgruppe. Und hier war die Lücke.
Die Frage war damals nicht ob diese Lücke existiert. Die Frage war: Wie füllt man sie nachhaltig?

2. Die Entwicklung – eine Lücke in ein Produkt verwandeln
Eine Lücke zu erkennen ist der erste Schritt. Der zweite ist schwieriger: ein Produkt zu entwickeln das diese Lücke unter wirtschaftlichen Aspekten füllt.
Die Analyse für die Anforderungen ging weit über den Europa-Park hinaus. Ein Blick auf den Weltmarkt war notwendig – welche Hersteller und Produkte gab es, welche Freizeitparks hatten davon etwas in Betrieb und mit welchem Ergebnis? Welche Neuerungen waren bereits im Markt angekündigt? Hatten andere Freizeitdestinationen eine ähnliche oder sogar dieselbe Lücke? Die zusammengetragenen Erkenntnisse waren eindeutig: es gab nichts das wirklich passte.
So konnte die Aufgabe klar definiert werden: Eine Achterbahn für Kinder ab vier Jahren – mit echtem Achterbahn-Fahrgefühl, nicht nur symbolischem. Sicher, aber nicht langweilig. Aufregend, aber nicht angsteinflößend. Die thematische Integration in den Griechischen Themenbereich ergab sich aus dem Entwurf des Themenbereichs – die Thematisierung als geflügeltes Pferd der griechischen Mythologie kam danach, als emotionaler Rahmen für eine Entscheidung die längst auf Analyse basierte.
Im Schienenanteil des Watercoaster Poseidon war die Platzierung einer weiteren Attraktion von Anfang an konzeptionell vorgesehen. Ursprünglich nicht als YoungStar Coaster – aber das spielte keine Rolle, da es um die notwendige Infrastruktur ging. Und diese war beim Bau der Poseidon bereits berücksichtigt worden.
In enger Zusammenarbeit mit Mack Rides entstand aus der Analyse der YoungStar Coaster – eine neue Produktkategorie die es vorher nicht gab. Nicht eine verkleinerte Erwachsenenachterbahn. Sondern eine Bahn die von Grund auf für diese Zielgruppe konzipiert wurde: eigene Bügelsysteme, eigene Sitzschalen, eigene Fahrdynamik.
Die Arbeit mit Mack Rides beruhte auf gegenseitigem Verstehen – und bis heute bestehen die Verbindungen zum Team der Achterbahnschmiede. Und das Beste: Was damals als Antwort auf eine konkrete Lücke im Europa-Park entstand, ist heute ein weltweit eingesetztes Produkt. Genau wie in der Analyse herausgearbeitet.

3. Und was bedeutet das für Ihr Projekt, Ihre Destination?
Die Geschichte des YoungStar Coaster Pegasus ist eine Europa-Park-Geschichte – die auf Methodik beruht.
Jeder Park, jede Destination, jedes Erlebnisangebot hat Attraktionen die als Ganzes die Erlebnishorizonte der Zielgruppen abdecken sollten. Die genaue Betrachtung lohnt sich. Nicht selten wird eine Zielgruppe nicht umfänglich genug erreicht. Eine Lücke ist da – die niemand sieht. Zu sehr schauen alle auf das was funktioniert, nicht auf das was fehlt.
Dabei lässt sich eine einfache Frage auf jede Attraktion anwenden: Was leistet sie? Und was leistet sie nicht? Letzteres ist meist schwieriger zu definieren.
Doch die Antworten auf diese Frage sind gleichzeitig der Anfang für Verbesserungen oder neue Produkte. Manchmal sind es kleine Anpassungen. Manchmal sogar neue Kategorien. Mit dem richtigen Team – so wie beim YoungStar Coaster – ergibt sich eine Entwicklung die weit über den ursprünglichen Park hinauswirkt.
Was als Analyse einer Lücke begann, ist heute eine Produktkategorie.hichte.
Pegasus wurde 2006 eröffnet. Fast 20 Jahre später begeistert die Achterbahn noch immer Kinder – und der YoungStar Coaster ist als Produkt weltweit verkauft worden.
Analyse als treibende Kraft – die wichtige Frage zur richtigen Zeit zu stellen.
Lücken gibt es überall. In jedem Park, jeder Destination, jedem Erlebnisangebot – ob Freizeitpark, Bergbahn, Retail-Destination oder Hotel. Die Methode ist dieselbe. Die meisten Lücken werden nicht gesehen – weil niemand danach sucht. Wer aber systematisch analysiert, wer schaut was fehlt statt nur was funktioniert, der findet sie.
Und manchmal führt eine gefundene Lücke zu weit mehr als einer neuen Attraktion.
Falls Sie in Ihrem Erlebnisangebot eine Lücke vermuten – lassen Sie uns gemeinsam danach suchen.
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