Leerer Markusplatz Venedig während COVID · Lockdown März 2020 · artEmotional

Krisen neu denken – Wie COVID zur Entwicklung einer Branchenlösung führte.

Krisen sind dazu da, neu zu denken.

Wie aus einem Praxisproblem eine Branchenlösung entstand – und was das für Innovation im Entertainment bedeutet.

März 2020. COVID. Ein einfaches Wort das den Lauf der Welt verändert.

Die Flughäfen schließen. Die Büros sind leer, das Homeoffice wird zum Arbeitsplatz Nummer Eins. Und die Projekte? In New York, Atlanta, Abu Dhabi – sie laufen weiter. Laufende Baustellen, laufende Verträge, laufende Erwartungen. Und plötzlich: kein Flug, kein Vor-Ort-Termin, keine persönliche Anwesenheit mehr möglich.

Der Stein selbst ist im Steinbruch vorhanden – wie seit 2.000 Jahren. Die Projektbeteiligten? Sie sind an das Homeoffice gebunden. Der Bauherr? Er erwartet, dass sein Projekt weitergeht – und das mit derselben Perfektion wie zuvor.

Was dazu fehlte, war nicht der Wille. Es fehlte schlichtweg das Werkzeug für die Fortführung unter diesen Umständen.

1. Das Problem – wenn der persönliche Austausch auf digitale Schnittstellen begrenzt wird

20 Jahre Projektmanagement, dazu Tiefenwissen aus Steinbruch, Produktion und internationaler Projektsteuerung. Vieles davon funktionierte über persönliche Präsenz. Der Blick auf die Planung, den Range, die vorhandene Steinplatte. Das Gespräch im Steinbruch. Die zielgerichtete Entscheidung vor Ort.

Plötzlich war all das nicht mehr möglich.

Transparenz durch Anwesenheit, Nachweise durch schnelle Rückfragen, Massenermittlung auf Basis des Bestandes, Blending-Entscheidungen mit dem Team im Drylayout, gemeinsame Qualitätskontrolle anhand der Muster vor Ort – alles was vorher persönlich, mit Handschlag und direktem Blick funktioniert hatte, konnte jetzt nur noch mühsam per Zoom-Call abgewickelt werden. Und das für Projekte die keine Pause erlaubten.

Die Not der Stunde verlangte schnelle neue Lösungen. Es gab Software für Architekten. Software für Lagerverwaltung. Software für die Produktion. Aber keine Software für das Projektmanagement über die gesamte Prozesskette – von der Rohplatte im Steinbruch bis zur verlegten Fläche beim Kunden. Die Lücke hatten wir zuvor durch persönliche Anwesenheit gefüllt. Jetzt wurde sie offensichtlich. Es galt, schnell Lösungen zu entwickeln.

2. Die Lösung – Not macht erfinderisch

Was mit Excel, Zetteln und Gesprächen im Drylayout gelöst wurde, musste jetzt digital funktionieren. Und das nicht irgendwann. Sondern sofort.

Die Idee von DDL® war nicht neu – aber sie war immer in der Flut der Arbeit untergegangen. COVID gab ihr jetzt eine neue Dringlichkeit. Wir begannen zu entwickeln was wir zur Aufrechterhaltung unserer Projekte benötigten: eine Plattform die systematisch den gesamten Prozess abbildet. Vom Steinbruch bis zur Verlegung. Transparent, nachvollziehbar – in Echtzeit aus dem Homeoffice verfolgbar.

DDL® – Digital Dry Layout – entstand zwar am Schreibtisch. Aber es entstand aus der härtesten Prüfung die wir kannten: ein laufendes internationales Projekt, keine Reisemöglichkeit, volle Verantwortung.

DDL Digital Dry Layout – Projektteam Winship at Emory Midtown · Internationale Zusammenarbeit USA und Europa · artEmotional

3. DDL® – und warum es zur Branchenlösung wurde

Das Feedback des internationalen Teams auf unsere Entwicklung war gewaltig. Mit DDL® lösten wir auf einmal viele Probleme. Und zwar zukunftsorientierte – auch weit über COVID hinaus. Aus den ersten Gedanken entstand eine All-in-One Plattform. Wir skalierten. Die Vorteile erwiesen sich nicht nur bei Großprojekten als Game Changer. Tatsächlich war die Effizienzsteigerung für kleine bis mittlere Projekte und Steinbetriebe sogar noch höher.

Reporting, Nachweise, Nachkalkulation, Sichtbarkeit, Transparenz – alles ruht an einem Ort. Vom Steinbruch bis zur Baustelle. Von der Rohplatte bis zur Rechnung. Kein Suchen – ein Griff.

In der Branche gab es viele Programme, aber keines mit solch einer Vernetzung. Niemand war bisher konsequent alle Etappen vom Steinbruch bis ins Großprojekt durchgegangen und hatte sie digitalisiert. Das Wissen hatte sich vorher auf viele im Projekt verteilt – den Inhaber, Mitarbeiter, Excel-Listen, WhatsApp-Gruppen und vieles mehr.

Das funktionierte bis COVID. Und dann plötzlich nicht mehr.

DDL Digital Dry Layout – Blending Elevator Lobby Ground Floor · Marmor-Wandplanung Projekt Vancouver · artEmotional

4. Und wo bitte ist hier der Bezug zum Entertainment?

DDL® hat sich als Steinbranchenlösung etabliert. Mit Kunden aus Europa und den USA. Die Geschichte hinter der Entwicklung ist universell.

Jede Branche und jedes Projekt hat Potenziale. Alles beruht auf Prozessen die funktionieren – solange alles normal läuft. Geballtes Wissen das im Kopf von Schlüsselpersonen steckt. Abläufe die auf bisherigen Erfahrungen basieren. Doch der Stresstest der Krise steht noch aus. Und Krisen nehmen derzeit zu – wie die deutsche Autoindustrie gerade eindrücklich vor Augen führt.

Im Entertainment ist das nicht anders. Parks, Destinationen, Retailflächen – überall gibt es Prozesse die gewachsen sind, geplant auf Erfahrungen und Personen. Überall gibt es Wissen – doch wie weit ist es systematisiert? Überall werden in den kommenden Jahren Lücken entstehen die durch Erfahrung und Anwesenheit bisher niemandem bewusst sind.

Die Frage die ich mir mit Blick auf DDL® stelle: Wo ist die Lücke im Erlebniskonsum? Was wird im Entertainment erst dann sichtbar, wenn der Druck groß genug wird?

Qwiss me! ist ein erster Test dazu. Ein Bewertungstool das aus der Beobachtung entstand: Kooperationsmarketing an Fun-Locations funktioniert oft nicht – weil niemand die Verbindung zwischen Erlebnis und Markenbotschaft wirklich in einer dauerhaften Erlebnistiefe durchdacht hat.

Krisen machen Lücken sichtbar. Und sichtbare Lücken sind der Anfang jeder Innovation. In jeder Krise ruht auch eine Chance.

Qwiss me! Eröffnung mit Christa Rigozzi · Interaktives Erlebnisformat an der Fun-Location · artEmotional

Abschluss

Krisen zwingen uns neu und anders zu denken – und bringen einfache Lösungen hervor für komplexe Probleme.

DDL® ist ein Beispiel dafür. Nicht geplant. Sondern als Reaktion auf eine Situation die keine andere Wahl zuließ.

Die nächste Chance – im Entertainment, im Tourismus, im Retail – wartet bereits. Sie ist nur noch nicht sichtbar. Noch nicht artikuliert.

Die Frage ist ob wir auf die Krise warten oder ihr zuvorkommen. Bei der artEmotional beginnen wir die Analytik lieber vorher als aus einer Krise heraus zu reagieren. Das gibt mehr Handlungsspielraum in den Ideen und Lösungen.