Analytik als System aus Abhängigkeiten von Bausteinen

Ideen gibt es viele. Tiefenschärfe nicht. Was ein Theming erfolgreich macht.

Eine Idee ohne Fundament ist wie eine Blase –
sie platzt!

Jeder Themenbereich beginnt mit einer Idee. Die wenigsten Ideen enden mit dem vollständigen Erlebnis der ursprünglichen Präsentation. Der Unterschied liegt nicht im Thema – er liegt in dem was vor dem Thema kommt. Analyse, Zielgruppe, System. Die wichtigsten fünf Faktoren die entscheiden ob eine Investition in Jahr 10 noch trägt und eine simple Frage:

»Welche Analysedaten hast du benutzt um deinen Themenbereich zu entwickeln?«

Diese Frage stelle ich jedem der mit einem fertigen Konzept zu mir kommt. Die Antwort sagt mir in 30 Sekunden alles was ich wissen muss.

Meistens kommt Schweigen. Oder ein unsicheres »Wir haben uns viel angeschaut«. Oder der Verweis auf einen Besuch bei einem anderen Park.

Das ist kein Fundament. Das ist Inspiration. Und Inspiration allein baut keinen Themenbereich der in Jahr 10 noch funktioniert.

Eine Idee kommt nicht aus dem Nichts. Sie basiert auf Wissen, Erfahrungen, Erlebnissen, Begegnungen – auf Erfolgen die man verstanden hat und Misserfolgen aus denen man gelernt hat. Ohne dieses Fundament ist eine Idee ein schneller Moment der Freude. Die Blase platzt spätestens dann, wenn die ersten kritischen Fragen gestellt werden.

Entwurf Hansgrohe Headquarter · artEmotional

Faktor 1 – Zielgruppe zuerst. Alles andere folgt.

Verweildauer ist kein Ziel. Sie ist ein Ergebnis.

Wer seine Zielgruppen nicht kennt – wirklich kennt, nicht vermutet – plant ins Leere. Und das beginnt mit einer Menge unbequemer Fragen:

Wer kommt? Wann kommt er? Wieviel ist er bereit auszugeben – und was erwartet er dafür? Was kennt er bereits, was überrascht ihn? Warum wird ihn das Gebaute innerlich bewegen, rühren, anregen? Welche Erlebnisse nimmt er mit? Welche Fotos macht er – und teilt er?

Und die entscheidende Frage: Warum kommt er wieder?

Das sind nicht alle Fragen. Aber sie gehören alle auf den Tisch, bevor eine einzige Linie gezeichnet wird. Die Zeit die man hier investiert ist gut investiert. Denn die Korrelation zwischen Erlebnis und Erinnerung entscheidet langfristig über den Erfolg. Es geht nicht darum, einmal begeistert zu werden. Es geht darum, eine Erinnerungstiefe zu schaffen die später das Bedürfnis weckt – noch einmal zu kommen. Am besten mit Freunden oder Bekannten. Weil es so schön war.

Photopoint auf dem Jungfraujoch - Top of Europe als Schlechtwettervariante

Faktor 2 – Das Thema folgt der Zielgruppe. Nie umgekehrt.

Der häufigste Fehler in der Konzeptentwicklung: man beginnt mit dem Thema. Griechenland. Skandinavien. Wildwest. Das Thema ist die Antwort – aber noch wurde die Frage nicht gestellt. Die richtige Reihenfolge ist umgekehrt. Erst die Zielgruppe. Dann das Thema das sie abholt, bewegt, in Erinnerung bleibt.

Der Youngstar-Coaster Pegasus ist dafür das präziseste Beispiel. Die Analyse nach dem Bau des Silver Stars zeigte eine Lücke: Kinder die noch nicht auf die große Achterbahn dürfen – aber sehnsüchtig schon wollen. Eine Zielgruppe die sich nach Action sehnt, für die es noch kein entsprechendes Angebot gab. Aus dieser Erkenntnis entstand in Zusammenarbeit mit Mack Rides ein neues Produkt. Nicht als Kompromiss. Als maßgeschneiderte Antwort auf eine präzise definierte Zielgruppe.

Die Thematisierung – Pegasus, als geflügeltes Pferd der griechischen Mythologie – kam danach. Als emotionaler Rahmen für eine Entscheidung die längst auf Daten basierte.

Faktor 3 – Das Bild das bleibt.

Analysieren, strukturieren, konzipieren, bauen – das alles verfolgt am Ende ein einziges Ziel: Was bleibt im Kopf der Zielgruppe, wenn sie nach Hause geht? Ein Bild. Ein Moment. Ein Gefühl das sich festsetzt. Der Swarovski-Baum auf dem Zürcher Weihnachtsmarkt. Das Schiff, das sich aus dem Gegenlicht im Nebel auf mich zu bewegt. Dieser eine, entscheidende und einprägende Moment.

Niemand erinnert sich an die Logistik dahinter – an die notwendige Infrastruktur, die Statik, den Sicherheitsplan. Aber jeder erinnert sich an das Bild. Genau dieses Bild zu definieren ist eine der wichtigsten Aufgaben in der Konzeptentwicklung. Nicht als letzten Schritt – sondern als ersten. Was soll der Besucher fühlen? Was soll er erzählen? Was soll er fotografieren und teilen? Wer diese Frage am Anfang nicht stellt, beantwortet sie am Ende zufällig. Manchmal hat man Glück. Meistens nicht.

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Faktor 4 – Was niemand sieht und sehen will – jedoch doch alle brauchen.

Infrastruktur ist das am stiefmütterlichsten behandelte Thema in der Konzeptentwicklung. Keine Visualisierung zeigt speziell sie. Der Investor kennt ihre Notwendigkeit, gibt aber dennoch ungern Geld dafür aus. Und der Besucher soll sie ja auch möglichst nicht sehen.

Ohne sauber durchdachte Infrastruktur erhöhen sich die Betriebskosten – und das Tag für Tag. Zu lange Wege für das Personal, die wertvolle Service-Zeit beim Kunden kosten. Ein überfordertes Gastronomiekonzept, weil die Küche im Ablauf falsch geplant wurde. Der Themenbereich der in der Hauptsaison seinen Flair verliert, weil niemand an die notwendigen Plätze für die Mülltonnen gedacht hat.

Themenbereiche sind neben dem Erlebnisort Verkehrsknotenpunkte. Tausende Besucher mit ihren Bedürfnissen. Die notwendigen Auflagen – Flucht- und Rettungswege, Kranzufahrten für Revisionen, Lichtraumprofile für Parade-Wägen, Brückenlasten, Behindertenzugänglichkeiten, die Anzahl von Toiletten und deren Lage, die Positionierung von Retailangeboten, Ruhezonen, Blickachsen, Ankerpunkte, Wegführungen und Beschilderungen – die Liste der Details für den Erfolg ist sehr lang.

Infrastruktur ist keine Einschränkung der Kreativität. Sie ist die Voraussetzung dafür dass Kreativität langfristig funktioniert.

Faktor 5 – Ein Themenbereich ist eine Investition in die Zukunft.

Ein Themenbereich ist keine Momentaufnahme. Er ist eine Investition die über Jahrzehnte Ertrag erzielen muss. Dazu zählt auch die Frage: Was kann ich nach 5 oder 10 Jahren Neues integrieren?

Der Griechische Themenbereich im Europa-Park wurde von Tag 1 als System geplant. Der Darkride unter dem Griechischen Dorf war von Anfang an vorgesehen – als Fläche, als Platzhalter, als Möglichkeit den Besucherstrom wieder anzukurbeln sollte er abflachen. Er wurde erst Jahre später realisiert, ganz ohne Abflachung. Das System hatte ihn immer vorgesehen.

Den Entwurf im System zu denken hilft Probleme von morgen zu lösen.

Die Frage die am Anfang jeder Planung stehen muss: Was passiert nach 5 Jahren? Nach 10? Was verbraucht sich bei den Zielgruppen, was hat Beständigkeit? Welche Zielgruppen werden sich verschieben? Welche Flächen können wir an neue Shopping-Ideen oder im Gaming anpassen?

Wer sich die Zeit für diese Fragen nicht nimmt, vergibt ein enormes Potenzial.

Abschluss

Fünf Faktoren. Keiner davon ist Design. Alle sind Analytik die zum Design führen.

Wer mit der Analyse beginnt, kommt am Ende zu einem Ergebnis das trägt. Wirtschaftlich, emotional, langfristig. Ein Themenbereich begeistert nicht nur am Eröffnungstag – er wächst, entwickelt sich und gibt den Besuchern immer wieder neue persönliche Erlebnisse und Erinnerungen.